Wer den Sommer über Hecken auf Stock gesetzt, Brennholz gemacht oder umgestürzte Äste zerlegt hat, kennt das Bild: Die Kettensäge liegt seit Wochen in der Ecke der Garage, meist noch mit Sägemehl im Lüftungsschlitz und einer stumpfen Kette. Genau jetzt, vor der Winterpause, lohnt sich eine gründliche Wartung – nicht erst im Frühjahr, wenn das Öl im Tank zäh geworden ist und die Kette Rost angesetzt hat.
Warum die Wartung vor der Winterpause und nicht erst im Frühjahr
Kettenöl und Zweitaktgemisch verändern sich über Monate der Standzeit. Harzige Rückstände setzen sich in der Führungsschiene ab, das Öl im Tank oxidiert leicht und verklebt Kanäle, durch die es sonst zur Kette fließt. Wer die Säge im Herbst sauber und trocken einlagert, erspart sich im Frühjahr eine mühsame Reinigungsaktion und oft auch den Austausch verharzter Dichtungen.
Auch mechanisch macht das Sinn: Eine Kettensäge, die den ganzen Sommer im Einsatz war, hat Laufzeit auf dem Zähler, die sich in Kettenverschleiß und Schienenabnutzung zeigt. Diese Verschleißteile jetzt zu prüfen, ist einfacher, als im Frühjahr unter Zeitdruck vor dem ersten Baumschnitt zu arbeiten.
Kette schärfen: Der wichtigste Wartungsschritt
Eine stumpfe Kette erkennt man daran, dass die Säge beim Schnitt eher Sägemehl statt grober Späne produziert und man Kraft aufwenden muss, um das Holz zu ziehen. Das ist nicht nur mühsam, sondern auch gefährlich, weil stumpfe Ketten leichter verkanten und Rückschlagreaktionen begünstigen.
Zum Schärfen braucht es eine Rundfeile mit dem passenden Durchmesser – meist 4,0, 4,8 oder 5,2 Millimeter, je nach Kettenteilung. Die Feile wird im Feilwinkel von etwa 30 Grad zur Schiene geführt, jede Zahnkante bekommt gleich viele Feilstriche, damit die Kette gleichmäßig scharf bleibt und nicht seitlich zieht.
- Kettenspannung vor dem Schärfen prüfen und bei Bedarf nachziehen
- Tiefenbegrenzer alle paar Schärfvorgänge mit der Flachfeile nachfeilen
- Schärfrichtung immer von innen nach außen führen
- Nach dem Schärfen die Kette mit einem Tuch von Feilstaub befreien
Wer sich unsicher ist, ob die eigene Technik stimmt, findet in Herstellerangaben wie bei stihl.de genaue Feilwinkel und Kettenlehren für die jeweiligen Sägekettentypen. Alternativ übernimmt das ein Fachbetrieb – bei stark verschlissenen Ketten mit ungleichmäßigen Zähnen ist das oft die wirtschaftlichere Lösung als stundenlanges Nachfeilen.
Führungsschiene reinigen und auf Verschleiß prüfen
Die Führungsschiene sammelt über den Sommer Sägemehl, Harz und altes Öl in der Nut, in der die Kette läuft. Verstopft diese Nut, wird die Kette nicht mehr richtig geschmiert, was zu erhöhtem Verschleiß und Überhitzung führt.
Zum Reinigen die Schiene abnehmen und die Nut mit einem schmalen Schraubendreher oder einem speziellen Schienenreiniger auskratzen. Anschließend die Schiene wenden – das gleicht einseitigen Verschleiß aus und verlängert die Lebensdauer deutlich, ein Trick, den viele Hobbynutzer nicht kennen.
Beim Wenden lohnt sich ein Blick auf die Breite der Führungsnut mit einer Schienenlehre: Ist die Nut ausgeleiert, läuft die Kette seitlich zu locker und schneidet ungenau. In diesem Fall hilft nur der Austausch der Schiene, da sich die Nut nicht sinnvoll nachbearbeiten lässt.
Öltank vor der Winterpause entleeren
Kettenöl, das über Wochen im Tank steht, verändert seine Fließeigenschaften und kann bei Kälte regelrecht andicken. Das führt dazu, dass beim ersten Start im Frühjahr die Schmierung zunächst ausbleibt und die Kette trocken läuft – ein häufiger Grund für vorzeitigen Verschleiß, wie auch in Diskussionen auf hausgarten.net immer wieder beschrieben wird.
Am einfachsten lässt sich der Tank leeren, indem man die Säge kurz laufen lässt, bis kein Öl mehr aus der Öffnung an der Schiene austritt, und den Rest mit einer kleinen Spritze oder einem Lappen absaugt. Wer biologisch abbaubares Kettenöl verwendet hat, kann die Reste über den Restmüll oder eine Altölsammelstelle entsorgen, da auch biologisches Öl nicht einfach im Garten verklappt werden sollte.
Benzin und Zweitaktgemisch nicht vergessen
Bei benzinbetriebenen Sägen sollte auch der Kraftstofftank vor der Einlagerung entleert werden, da sich Ethanol im Benzin über Monate zersetzt und Ablagerungen im Vergaser hinterlässt. Am besten die Säge nach dem Entleeren noch kurz laufen lassen, bis der Vergaser leer gezogen ist und der Motor von selbst ausgeht.
Wer öfter mit Zweitaktgemisch arbeitet, findet auf Herstellerseiten wie husqvarna.com/de Angaben zum passenden Mischungsverhältnis und zu Kraftstoffen mit reduziertem Ethananteil, die sich besser für die Lagerung eignen. Diese Details sind besonders bei Sägen relevant, die längere Zeit ungenutzt stehen, etwa im Gartenhaus neben anderem Werkzeug für den Garten, das ebenfalls saisonal gewartet werden sollte.
Reinigung von Gehäuse und Luftfilter
Sägemehl und Staub setzen sich nicht nur in der Schiene, sondern auch im Luftfilter und den Kühlrippen des Motors fest. Ein verschmutzter Luftfilter reduziert die Leistung und erhöht den Verbrauch, während verstopfte Kühlrippen im Sommer schon zu Überhitzung geführt haben können.
Der Luftfilter lässt sich meist ohne Werkzeug entnehmen und mit einer weichen Bürste oder Druckluft reinigen; bei starker Verschmutzung hilft auch etwas Seifenwasser, sofern der Filter danach vollständig trocknet. Das Gehäuse selbst wird am besten mit einem trockenen Tuch und einer kleinen Bürste von Sägemehl befreit, bevor es in den Kettensäge-Karton oder die Schutzbox zurückkommt.
Richtig einlagern für die Wintermonate
Nach der Reinigung sollte die Kette leicht eingeölt werden, damit sie über den Winter nicht rostet – ein dünner Film normalen Kettenöls reicht dafür völlig aus. Die Schiene sollte mit aufgesetzter, aber entspannter Kette gelagert werden, da eine zu straff gespannte Kette über Monate unnötig Spannung auf die Schiene und das Kettenrad ausübt.
Der Lagerort sollte trocken und möglichst frostfrei sein, denn Feuchtigkeit begünstigt Korrosion an Kette und Schiene ebenso wie an den Metallteilen des Vergasers. Eine Schutzhülle für die Kette und ein trockener Platz im Schuppen oder der Garage reichen für die kalte Jahreszeit völlig aus.
Kurzcheck vor dem ersten Frühjahrseinsatz
Auch wenn die Säge sauber eingelagert wurde, lohnt sich vor dem ersten Einsatz im Frühjahr ein kurzer Check: Kettenspannung prüfen, Öltank neu befüllen und bei Benzinsägen frisches Gemisch einfüllen. Wer diese fünf Minuten investiert, startet ohne Überraschungen in die neue Saison und spart sich einen Werkstattbesuch mitten in der Hauptsaison.