Praxis-Ressort · laufend aktualisiertStand: 07.08.2026
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Igelquartier im Spätsommer bauen: Laubhaus, Einflugöffnung und katzensicheren Standort richtig anlegen

12. August 2026

Warum das Igelquartier schon im Spätsommer stehen sollte

Ende August bis Anfang Oktober ist der richtige Zeitraum, um im Garten ein Winterquartier für Igel anzulegen. Dann finden die Tiere noch Nahrung, erkunden ihre Umgebung und können einen neuen Unterschlupf vor dem ersten längeren Kälteeinbruch annehmen. Wer erst im November einen Laubhaufen aufsetzt, schafft zwar Deckung, aber oft zu spät für eine ungestörte Eingewöhnung.

Ein brauchbares Igelquartier muss vor allem trocken, zugluftarm und ruhig sein. Es geht nicht um ein dekoratives Häuschen mitten auf dem Rasen, sondern um einen unscheinbaren Rückzugsort unter Sträuchern, an einer Hecke oder in einer wenig betretenen Gartenecke. Der NABU weist seit Jahren darauf hin, dass naturnahe, strukturreiche Gärten für Igel deutlich wertvoller sind als aufgeräumte Flächen ohne Laub, Totholz und dichte Pflanzen.

Der passende Standort: trocken, schattig und nicht erreichbar für Katzen

Ein Standort unter einer dichten Liguster-, Hainbuchen- oder Wildrosenhecke erfüllt mehrere Aufgaben zugleich: Er schützt vor Wind, dämpft Temperaturwechsel und macht das Quartier von außen kaum sichtbar. Ideal ist eine Stelle, die nicht in einer Mulde liegt und nach Dauerregen nicht unter Wasser steht. Prüfen lässt sich das simpel: Bleibt der Boden nach einem kräftigen Schauer länger als einen Tag schmierig, ist der Platz zu feucht.

Direkt an der Hauswand, neben der Terrasse oder am Rand eines häufig genutzten Gartenwegs schlafen Igel selten ungestört. Auch der Bereich unter Vogelhäuschen ist ungünstig, weil dort Katzen regelmäßig auf Mäuse und Futterreste warten. Ein Abstand von mindestens drei bis fünf Metern zu Futterplätzen, Kompostzugang, Mülltonnen und belebten Wegen hat sich in kleinen Gärten bewährt.

Katzensicher bedeutet nicht, dass kein Tier jemals an das Quartier gelangt. Ziel ist vielmehr, die Öffnung vor direktem Zugriff zu schützen und den Zugang so zu legen, dass eine Katze nicht bequem davor sitzen oder mit der Pfote hineingreifen kann. Ein niedriger Strauch, ein seitlich versetzter Eingang und ein kurzer Tunnel helfen mehr als ein auffälliger Zaun um das Nest.

Diese Stellen besser vermeiden

Laubhaus bauen: weniger Perfektion, mehr wetterfeste Schichtung

Für ein einfaches Laubhaus reichen trockene Äste, Reisig, Laub und eine Abdeckung gegen Dauerregen. Zuerst wird auf einer Fläche von etwa 60 mal 60 Zentimetern eine lockere Lage aus fingerdicken Zweigen ausgelegt. Sie trennt das Nest etwas vom kalten Boden und hält die untere Laubschicht länger luftig.

Darauf kommt eine Nestkammer von ungefähr 35 bis 40 Zentimetern Breite. Sie entsteht nicht durch festgestampftes Laub, sondern durch ein lockeres Gerüst aus Zweigen, das innen mit trockenem Laub, etwas Stroh oder unbehandeltem Heu ausgepolstert wird. Feuchtes Rasenschnittgut, frisch geschnittene Stauden und nasses Laub gehören nicht hinein: Sie sacken zusammen und können schimmeln.

Über die Kammer wird eine 20 bis 30 Zentimeter dicke Laubschicht gelegt. Als Regenabweiser eignet sich ein flaches Brett, eine alte unbehandelte Holzplatte oder eine Lage Rinde, die leicht schräg aufliegt. Die Abdeckung darf das Haus aber nicht luftdicht schließen; seitlich muss Luft zirkulieren können, sonst entsteht bei wechselnden Temperaturen Kondenswasser.

Laub fällt im Spätsommer noch nicht in großen Mengen an. Wer trockene Vorräte braucht, kann die ersten zusammengeharkten Blätter locker unter einem Vordach lagern und erst kurz vor dem Aufbau verwenden. Beim Umsetzen des Gartenkomposts im Spätsommer sollte man Laub und Reisig für das Igelquartier ohnehin getrennt halten, statt alles sofort auf den Kompost zu geben.

Einflugöffnung richtig dimensionieren und vor Katzen schützen

Die Einflugöffnung sollte etwa 10 mal 10 Zentimeter groß sein. Eine deutlich größere Tür lädt Katzen, Marder oder größere Ratten eher dazu ein, in das Quartier zu schauen. Ist die Öffnung kleiner als acht Zentimeter, kann ein gut genährter erwachsener Igel hängen bleiben oder den Eingang meiden.

Am sichersten liegt der Eingang nicht frontal in der Außenwand, sondern seitlich hinter einem kurzen Zugangstunnel. Dafür genügen zwei Ziegelreihen oder ein kleines U aus Holz, das etwa 25 bis 30 Zentimeter lang ist. Der Tunnel sollte nach einem leichten Knick in die Nestkammer führen; dann kann eine Katzenpfote nicht geradewegs bis zum Schlafbereich reichen.

Ein Stück engmaschiger Draht vor dem Eingang ist keine gute Lösung. Igel können sich mit Krallen, Stacheln oder Schnauze darin verfangen, außerdem versperrt Draht den Fluchtweg. Besser ist eine natürliche Sichtbarriere aus Reisig, die den Durchgang offen lässt und nur den direkten Blick auf die Öffnung nimmt.

Holzkiste oder Laubhaufen?

Eine Holzkiste mit abnehmbarem Dach kann sinnvoll sein, wenn im Garten kaum dichter Bewuchs vorhanden ist oder Laub ständig verweht. Innenmaße von etwa 35 mal 35 Zentimetern reichen aus, die Außenwände sollten aus unbehandeltem, mindestens 18 Millimeter starkem Holz bestehen. Das Dach braucht einen Überstand von rund fünf Zentimetern, damit Schlagregen nicht an den Wänden entlang in die Kammer läuft.

In einem naturnahen Garten ist ein Laubhaus meist die bessere und unauffälligere Lösung. Es hält die Temperatur weniger abrupt, fügt sich in die Umgebung ein und bietet zusätzlich Insekten und anderen Kleintieren Deckung. Wichtig ist nur, dass der Laubhaufen nicht bei jeder Gartenarbeit umgesetzt wird.

Ruhe nach dem Aufbau ist Teil des Winterschutzes

Ist das Quartier fertig, sollte es bis zum Frühjahr weitgehend in Ruhe bleiben. Kontrollieren Sie nicht wöchentlich mit Taschenlampe, ob ein Igel eingezogen ist; jede Störung kostet Energie und kann dazu führen, dass das Tier den Platz wieder verlässt. Nur nach Sturm, starkem Dauerregen oder sichtbar eingedrückter Abdeckung lohnt sich ein vorsichtiger Blick von außen.

Laub kann im Oktober und November außen nachgelegt werden, wenn die Schicht deutlich zusammengesackt ist. Dabei wird nichts aus dem Eingang gezogen und nichts in die Kammer geschoben. Ein Igel muss seinen Eingang selbst frei halten und braucht keinen Menschen, der das Nest „ordentlich“ macht.

Besondere Vorsicht gilt beim Einsatz von Laubbläsern, Motorsensen und Mährobotern. Vor dem Arbeiten an Heckenrändern und Laubhaufen wird die Fläche immer zuerst langsam mit einem Rechen oder einer Harke abgesucht. Das dauert zwei Minuten länger, verhindert aber Verletzungen an Tieren, die sich bei kühlerem Wetter kaum noch schnell in Sicherheit bringen.

Futter, Wasser und der häufige Fehler mit Milch

Ein Quartier ersetzt keine Nahrung, aber Futter gehört nicht direkt vor die Einflugöffnung. Näpfe ziehen Katzen, Ratten und Waschbären an und machen den Rückzugsort auffällig. Falls ein geschwächter Igel im Herbst tatsächlich Unterstützung braucht, stehen Futter und frisches Wasser besser einige Meter entfernt und werden morgens wieder weggeräumt.

Milch ist für Igel ungeeignet und kann Durchfall auslösen. Wer tagsüber einen kleinen, kalten, verletzten oder auffallend torkelnden Igel findet, sollte nicht auf Verdacht überwintern lassen, sondern eine Wildtierhilfe oder Tierarztpraxis kontaktieren. Ein gesund wirkendes Tier, das nachts unterwegs ist, braucht in den meisten Fällen vor allem Durchgänge im Zaun, natürliche Deckung und ein trockenes Quartier.

Im Frühjahr erst spät aufräumen

Der häufigste Fehler passiert nicht im Herbst, sondern beim ersten großen Gartenputz im März. Laubhaufen und Reisig bleiben besser bis April oder, bei kühler Witterung, noch länger liegen. Erst wenn mehrere milde Nächte vergangen sind und das Quartier eindeutig verlassen wirkt, kann das Material vorsichtig abgetragen werden.

Ein gut angelegtes Igelquartier muss nicht jedes Jahr komplett neu gebaut werden. Meist genügt es, die nasse Außenschicht zu ersetzen, den Eingang wieder freizulegen und trockenes Laub nachzufüllen. So bleibt aus einer unscheinbaren Gartenecke über Jahre ein verlässlicher Rückzugsort vor dem Winterschlaf.